Morgen geht es in den Supermarkt. Ich fasse es nicht. Kaffee für 3,33 Euro, Tomaten für 1.49 Euro, Hackfleisch für 2,99 Euro. Das Kilo! Und Kukident für 1,99 Euro. Krass. Ich dachte alles wird teurer? Sogar die Biobananen waren mit 1.59 Euro billig. Kamen die nicht aus Übersee? Woher ich das wusste? Sonntags gabe es immer eine kostenlose Sonntagszeitung mit den Wochenendergebnissen aus der Bundesliga und Tipps für die Leineweberstadt Bielefeld. Dieses Blatt ist zu einer Hülle mutiert mit Nichtigkeiten als Halterung für fünfzehn Werbezeitschriften. Allein drei Baumärkte und vier Polsterläden schrieen auch hier: Billig, Billig. Wo konnte man etwas lesen über das Bielefelder Tanzbodenensemble, die verschwundene Klara aus Jöllenbeck oder dem Tod von H.Rammler, preisgekürtes Zwergkaninchen des Baumheider Geflügelzuchtvereines? Vielleicht wäre es Zeit für eine lokale Bildzeitung. Aber die gab es nicht im Abo. Da müsste ich mich schon auf den Kesselbrink setzen und sie wie Sauerbier anbieten. Was ist eigentlich Sauerbier.
Prof. Dr. Samson Dietrich Sauerbier hat mich im Kunststudium geprägt. Im Wallraff-Richards-Museum standen wir vor einer zerschnittenen Leinwand von Lucio Fontana. Millionenschweres Kunstwerk. Auf 4 Quadratmetern Leinwand war nix außer fünf Schlitze. Die Leinwand war kaputt. Wir philosophierten, was das solle. Schweigend und staunend standen wir Studierenden im Museum und dachten nach.
Durch das Zerschneiden der Leinwand, die als Bildträger die Grundbedingung aller Malerei darstellt, bricht Lucio Fontana mit dieser Tradition, so dachten wir. Die Leinwand werde zum Relief und die Farbe zum räumlichen Element. Aber auch hinter dem Bild eröffnet sich ein neuer, imaginärer Raum, der durch die zerschnittene Fläche mit dem realen Raum zusammenklingt. Das klang doch gut. Für Prof. Sauerbier war es profaner. Lucio Fontana war nach dem Genuss von zu viel Merlot mit dem Fischmesser in eine Leinwand gestolpert, hatte sie zerschnitten und so führte ein übertriebener Alkoholgenuss zu einer Füllung seiner klammen Künstlerkasse.
Am heutigen Muttertag gingen viele Familien mit der Mutti in ein Restaurant. In Bielefeld verlangen manche Restaurant ab sofort drei Euro Eintritt pro Person. Die Durchschnittsfamilie legt dann schon mal 15 Euro auf den Tisch, weil ja die Omi mitkommt. Für 15 Euro würde man im Supermarkt fünf Kilo Hackfleisch bekommen. Da der Gastronomie die Kosten aus dem Ruder laufen und es auch keine Service-Kräfte mehr gibt, kann man sich das Eintrittsgeld sogar abarbeiten. Wenn man nach dem Speisen noch eine dreiviertel Stunde dem Spüler Hargar Saonnough aus dem Senegal hilft, bekam man sein Eintrittsgeld zurück. Ab Minute 46 Küchendienst, durfte man sich die Reste mitnehmen die die Gäste zurück egeben hatten.

Klassisch war da der Feta-Käse, der tonnenweise zurück kam. Restaurantbesitzer Alfons Schuberdeck bezeichnete den billigeren Feta-Käse als Schafskäse. Das erhöhte die Gewinnspanne. Jedoch merken es immer mehr Gäste. Ein anderes Restaurant machte den Gästen das Angebot, die bestellte Speise nach Gewicht zu bezahlen. Vor dem Eingang stand eine Waage. Man wurde gewogen und nach dem Menü wieder gewogen. Pro Gramm wurden dann 1,39 Euro berechnet. Findige Restaurantbesucher legten sich einen Brustgurt mit Wackersteinen an und bekamen nach dem Schlemmen sogar Geld von der Gaststätte zurück. In der Innenstadt wies auf ihrer Speisekarte die Kalorienzahl vom geliebten Zigeunerschnitzel mit Pommes und Buttergemüse aus. Das schockte viele Gäste, sodass die meisten auf Pellkartoffeln mit Quark umstiegen. Da der Koch langfristige Lieferverträge mit Kartoffelbaron aus Stemwede abgeschlossen hatte, profitierte er gleich doppelt. Für das Pellen der Kartoffeln brauchte er keine Service-Kraft und die Erdäpfel bekam er fast umsonst.
