Ich habe es gekauft. Das Bergsteigermüsli. Ich öffnete die Packung, aber es war kein Bergsteiger drin! Auch noch nicht mal Granit oder Bergkristallkrümel. Wieso nimmt man Mr.Trenker zum Vorbild? Warum nicht den Steiger aus Gelsenkirchen nehmen, der steigt doch auch? Oder den Meeresspiegel. Der steigt doch auch. Ich war verwirrt. Ich investierte 432 Euro im Outlook-Laden, habe mir Wanderhose, Stiefel, Seile und Tirolerhut geschnappt und bin wohlgelaunt nach einer Portion Bergsteigermüsli zum hiesigen Hügel gefahren.

Ich wollte zur Sparrenburg hinaufgekraxelt. Mehrere Passanten sprachen mich ob meiner Ausrüstung an, zumal ich dutzende Male versuchte, die Haltesteige in den Sockel des Sparrenburgturmes zu rammen. Wollte doch mal nachsehen, welche Flagge der Bürgermeister gehisst hatte. Jedenfalls war das Bergsteigermüsli wenig wirksam. Ich wurde zur Lachnummer am letzten Freitag des Monats. Ich kam nur 30 cm hoch. Zwei Schulklassen mit ihren Lehrerinnen standen um mich herum. Eine Klasse kam aus Neuschwanstein, Eine Klasse aus Bielefeld.L.Credi, Paukerin aus Jöllenbeck war auch da. Den langen Weg von Jöllenbeck zur Burg hatte ein Vater einer Schülerin gesponsert.
Für die lange Fahrt wurde ein Dreamliner eingesetzt, der aber nicht an der Burg halten konnte. So mussten die Blagen doch den Berg hochlaufen. Natürlich gab es zwei Trinkpausen. Peter Wiehns wagte es, eine Capri-Sonne und ein Quetschie zu konsumieren. Aber Chantal von der Grünen Heide, Spitzenschülerin der Klasse 4, Friday for Future-Aktivistin und Nachwuchskämpferin bei der Hambi , schimpfte auf Peter ein. Er wurde so klein ob seiner Umweltfrevel, dass er freiwillig in die 1.Klasse zurückgetreten ist. Er war der einzige, der weinte. Alle anderen Schüler+Innen lachten mich aus, weil auf meinem Tirolerhut die Arminiaflagge wehte. Wahre Heimatliebe. L-Credi merkte nicht, dass eine Schülerin in den Burgbrunnen gefallen war. Später, beim Durchzählen im Dreamliner stellten sich alle Schüler/Innen zu zweit auf. Ursulas Klassenkameradin fehlte.
Nun werde ich nach Hause gehen, mein Tanzbein ölen und am Abend der Nachtansichten, einer Bielefelder Kulturnacht, in den Mai tanzen.
