November – Halloween

Hanno Boddenstedts Vater Heinz, wusste nicht, was los war.

Früher war mehr Lametta. Und nun? Der November war zu warm; alle warteten auf den Black Friday und nicht auf Sankt Martin. Wo waren die vielen Kinder, die früher immer an seiner Haustür geklingelt hatten, mit Plastiktüten und Laternen?

Lag es an dem Stadtteil, in dem er wohnte, der von Silbernacken bevölkert war? Junge Familien wohnten eigentlich im Speckgürtel der Stadt. Aber in Heinz Bodenstedts Nachbarschaft waren neue Wohnsilos auf dem letzten Acker gewachsen. Letztes Jahr wurden sie bezogen.

Oft sah er die Geschwister Milli und Molli mit ihren Freunden auf dem Spielplatz, wenn er dort auf der Bank seinen Kümmerling trank. Sie wohnten noch nicht lange hier.

Ach, es gibt doch noch eine neue Generation. Die Zukunft ist gesichert. Wie liebreizend ihm die Geschwister im Sommer einen Kranz aus Gänseblümchen bastelten.

Und MilliMolliMama wusste, dass ihre Kinder auf dem Spielplatz gut überwacht sind, wenn Heinz dort saß und die Bäckerblume las. Aber Zeiten ändern sich. Was ist aus St. Martin geworden? In den letzten Jahren gab es viele Diskussionen darüber, wie das Fest weitergeht.

Aus Sorge, der Bezug zu Sankt Martin könnte Migranten mit nicht-christlichem Hintergrund ausgrenzen, forderten einige eine Umbenennung in „Sonne, Mond, Sterne“-Fest oder „Lichtfest“. Ein Sankt-Martin-Darsteller im nordrhein-westfälischen Niederkassel darf bei künftigen Umzügen nicht mehr auftreten. Grund für diese drastische Maßnahme ist eine Äußerung des Sankt Martins, der offenbar bei der Ausgabe der Weckmänner am 6. November laut und deutlich von sich gab, dass Sankt Martin doch ein christliches Fest sei und eine Bewohnerin dieses Städtchens mit einem anderen Glaubensverständnis legte Beschwerde ein. Und in Essen sollte der Martinsdarsteller ganz klassisch auf einem Pferd unterwegs sein. Doch das ist krank geworden. Also, was tun? Die kurzfristige Lösung: Motorrad statt Pferd. Da der Martinsdarsteller aber keinen Motorradführerschein besitzt, wurde er gefahren.

Und in Bielefeld geht der christliche Pfarrer zusammen mit den satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch-Schauspielern des Weihnachtsmärchens des Theaters durch die Innenstadt. Himmel trifft Hölle.

Auch Weihnachten soll umbenannt werden: Jahresendfeier.

Die Gleichstellungskommission der Europäischen Union hatte in einem Leitfaden, der von der Union of Equality (Union der Gleichheit) veröffentlicht wurde, empfohlen, Wörter wie Weihnachten und christliche Namen wie Maria zu vermeiden, da sie als potenziell diskriminierend angesehen wurden. Der Leitfaden wurde mit dem Ziel erstellt, eine „inklusive Kommunikation“ sicherzustellen, die Menschen unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Religion oder ethnischer Zugehörigkeit wertschätzt und anerkennt. Die Mitarbeiter der EU-Kommission sollten nicht voraussetzen, dass alle Christen sind und dementsprechend christliche Feiern begehen. Sensibilität gegenüber Personen, die nicht dem Christentum angehören, wurde betont. Daher wurde empfohlen, das Wort Weihnachten durch neutralere Ausdrücke zu ersetzen.

Anstelle von „Die Weihnachtszeit kann anstrengend sein“ sollte laut dem Leitfaden beispielsweise „Die Ferienzeit kann anstrengend sein“ verwendet werden. Es wurde auch darauf hingewiesen, keine Namen zu verwenden, die ausschließlich einer Religion zugeordnet werden, wie beispielsweise „Maria und John“. Stattdessen wurde vorgeschlagen, in solchen Fällen neutralere Namen wie „Malika und Julio“ zu verwenden. Nach heftigen Protesten hat die Gleichstellungs-Kommissarin Helena Dalli den Leitfaden zurückgezogen. (Quelle: Berliner Zeitung)

Heinz erinnerte sich an frühere Zeiten, als er im letzten Jahrtausend über den Dorfplatz mit seinen Freunden und echten Martinsfackeln zog und sang: Ich bin ein kleiner König. Gebt mir nicht zu wenig. Gebt mir einen Silberling, der froh in meiner Tasche klingt. Deutsches Kulturgut. Naja, nicht unbedingt. Geld war Heinz immer noch lieber als die Mettwürste, die die Bauernschaft ihm gaben, wenn er seinen Martinssong sang. Kulturgut?

Am 31.10.2023 kam Heinz aus dem Reformationsgottesdienst, und an seiner Tür klingelte es. Heinz öffnete die Tür. „Trick or treat!“ schrie dort ein kleiner Gnom mit Scholz-Maske. Heinz verstand nicht, was das sollte. „Trick or treat!“ brüllte der kleine Gnom noch einmal. „Nein, ich habe schon alles!“ antwortete Heinz und machte die Tür zu. Er braucht kein Trick und kein Treat. Scholzgnom klingelte erneut: „Hey, das heißt „Süßes oder Saures!“. Heinz verstand immer noch nicht und bat den Gnom, ihm doch etwas Süßes zu geben. Der Gnom klärte ihn auf, dass es Halloween sei und die Nachbarn den Kindern Süßigkeiten geben. Sollten die Erwachsenen das nicht machen, würde man ihnen einen Streich spielen. Heinz knallte die Tür zu. Was soll der kleine Gnom machen? Riesenbaby.

Heinz ging ins Wohnzimmer. Als er wenige Sekunden später mehrere Plopps hörte, ging er zurück zur Haustür, öffnete sie, und der Gnom war weg. Aber das komplette Küchenfenster war mit Eiern beworfen. Langsam glibberte das Eigelb am Fensterahmen herunter. „Na warte“, dachte Heinz. „Was du kannst, kann ich auch!“. Heinz putzte das Fenster und setzte sich vor den Fernseher, um die 1234. Folge von „Herzrosen“ zu sehen. Mit einem Kümmerling und einer Rama-Roggenbrotscheibe machte er es sich gemütlich. Feierabend.

Es klingelte erneut, doch dieses Mal war Heinz vorbereitet. Leise schlich er in die Küche und griff nach dem großen Schlachtermesser. Der Knauf wurde mit Rote-Bete-Saft besudelt, und seine Hand trug ebenfalls die makabre Spur. Ein schauriges Bild sollte den ungebetenen Störenfried abschrecken. Mit entschlossenem Schwung riss er die Tür auf, wirbelte das Messer in der Luft und…………….

Doch anstelle des erwarteten Gnomes standen zwei Kinder im Prinzessinnenkostüm vor ihm, mit abgeschnittenen Köpfen und Süßigkeitenbeutel in den Händen. Es waren Milli und Molli, die Nachbarskinder vom Spielplatz. Hinter ihnen tauchte ihre Mutter im Hotzenplotz-Look auf. Die Geschwister erschraken zutiefst, kreischten, weinten und flohen. Heinz, überwältigt von Schuldgefühlen, fragte sich, welche Konsequenzen ihm nun drohten. Würde das Jugendamt einschreiten oder die Polizei? Könnten sogar Medien wie RTL oder die Bildzeitung auf den Vorfall aufmerksam werden?

Fortsetzung folgt.

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