
Die elektronische Patientenakte soll eine digitale Abbildung des Gesundheitszustands eines Patienten darstellen, in der Ärzte verschlüsselt Arztbriefe und Blutbilder hochladen können und Patienten ihre eigenen Dokumente speichern können. Das Hauptziel besteht darin, dass Gesundheitsdienstleister schnell einen Überblick über den Gesundheitszustand und die Krankengeschichte eines Patienten erhalten können, ohne Röntgenbilder per Fax zwischen verschiedenen Einrichtungen senden zu müssen. Die Patienten haben die Kontrolle über ihre Daten und entscheiden selbst, wer darauf zugreifen kann. Eine gut strukturierte Akte erleichtert die Koordination der Versorgung. Obwohl seit 20 Jahren an der App gearbeitet wird, nutzen nur 0,1 Prozent der Deutschen sie. Dies liegt daran, dass die meisten Praxen und Kliniken nicht darauf vorbereitet sind und es kein einheitliches System zur Erfassung von Daten und Befunden gibt. Eine einfache Methode ist, die Daten auf die Karte mit einem Edding zu schreiben. Im Gegensatz dazu ist die Nutzung der elektronischen Patientenakte jedoch wesentlich effektiver. Hubert von Hosendorf liebte Schweinebraten, Knödel und Sauce. Auch Döner mit Pommes musste einmal die Woche sein. Dazu eine Maß Bier zum Spülen. Das Herrengedeck stand abends auf dem Plan, Saumagen und Wurstebrei mussten auch sein. Aber sein Arzt sagte, dass sei nicht gesund und führe zu einem Anstieg von giftigen Substanzen und Herzinfarkt. Er müsse dringend mehr Obst und Gemüse essen.
Sein Arzt trug alles in die digitale Krankenakte ein. Hubert war das ganz recht, denn er konnte noch nicht einmal seine Briefmarkensammlung richtig ordnen. Und seine Röntgenbilder fand er neulich im Kochbuch „Pommes für Anfänger“.
Aber das Fasten fiel ihm schwer. Er bekam Post mit einer echten Postkutsche von seiner Versicherung. Wenn sie ihre Discounter-Payback-Karte mit unserer Patientenakte verknüpfen bekommen Sie fünf Prozent Rabatt auf ihre Krankenkassenbeiträge. Das machte Hubert von Hosendorf.
Der Kühlschrank war mal wieder leer. Hubert ging einkaufen und kaufte Form- und Pressfleisch Nuggets, Kroketten und dazu eine Banane. Er sollte ja mehr Obst essen. Und Kroketten sind ja Kartoffelpflanzen. Dazu gab es den Jägermeister im Angebot. Es konnte ein schöner Abend werden. Aber an der Kasse ging nix mehr. Nach dem Einscannen der Ware poppte eine Meldung im Kassendisplay und bei Hubert auf: Warnung: „Sie gefährden ihre Gesundheit. Legen Sie die Sachen zurück und holen sie sich Kefir! Ihre Krankenkassenbeiträge werden angepasst und Sie werden nächstes Mal gesperrt!“ Hubert ignorierte es und bezahlt die Ware mit echtem Bargeld. Nicht mit Karte.
Eine Woche später wollte er es besser machen. Auf dem Kassenförderband lagen nun Fischfilets, Paprika und ein Tetrapack Winzergold. Auch Tofu war dabei.

Schon wieder gab es eine Warnmeldung an der Kasse und bei Hubert: „Lieber Herr Hosendorf. Sie haben sich gebessert, aber sie bekommen trotzdem Punktabzüge. Denn: der Fisch kommt aus Aquafarmen aus Vietnam, die Paprika sind nicht aus ökologischem Anbau und das Winzergold ist gemischt aus Glyphosat-Restbeständen des Rieslings 1971.Der Tofu ist aus brasilianischem Sojabohnen von Kinderhänden gepresst“
Hubert gab nicht auf. Er gewöhnte sich an, keine Geldbörse mit zum Einkaufen zu nehmen. Er packte sich einen zwanzig Euro-Schein in seine Hosentasche. Mehr nix. Dann konnte er kaufen, was er wollte.
