
Franz Sannemann, Buftie und Ehrenamtler bei der Bahnhofsmission sammelte den Kronkorken ein, den die bekannte Kleinkriminelle Helga Fahrenholz verloren hatte. Im Deckel war der Gewinncode für die 1 Millionen Euro, mit denen jetzt die Bahnhofsmission ausgebaut werden soll. Eine große Brauerei hatte ein Gewinnspiel ausgeschrieben. Der Bielefelder Hauptbahnhofvorplatz sollte neu gestaltet werden. Da konnte man als wichtige diakonische Einrichtung nun mitspielen.
Franz Sannemann blätterte durch die Gazetten der Stadt und lies seinen Blick über den Kesselbrink schweben, während er den bekannten und geliebten Backfisch auf dem Wochenmarkt genoss. Hier fehlen auch noch gemütliche Bänke, die ja jetzt endlich auf dem Jahnplatz aufgestellt werden sollen. Die Stadt überlegt, den Jahnplatz zusätzlich mit Palmen zu begrünen. Diese sollen in Kübeln dort stehen und könnten im Winter in die umliegenden Geschäfte geschoben werden. Das wären dann die neuen Weihnachtsbäume. Tannen sterben ja aus. Zudem steht am Jahnplatz jetzt ein Fahrradfahrerzähler. Wow, mehr als 1 Millionen gezählte Fahrradfahrer. Komisch, Bielefeld hat doch nur 320000 Einwohner. Neben der Arthur-Ladebeck Straße ist die Jöllenbeckerstraße reich frequentiert. Mehr als 1000 Radfahrer pro Tag. Und das ist eine echte Todesstrecke. Wer jemals die Jöllenbeckerstraße zwischen Apfelstraße und Ostwestfalendamm geradelt ist, weiß wie gefährlich es ist. Meine Schwiegermutter war neu in der Stadt Bielefeld. Sie zog vom klimageschädigten Rheinland in die neue Mitte Deutschlands- Bielefeld. Mit ihren 82 Jahren radelte sie dort lang und hat die die 2000 Meter Wegstrecke nur auf dem Gehweg geschoben.
Radwege sind in Bielefeld ein tolles Thema. Aber die Stadt hat Geld. Auch für extra Mülltouren. Denn, wenn man auf dem Radweg am Jahnplatz Mülltonnen hinstellt, damit sie geleert werden, hat man Pech gehabt. Sie werden dann nicht geleert. Nach Paragraph 45 § Abs.3a der Straßenverkehrsordnung müssen Mülltonnen eben nicht auf Radwegen stehen. Die Baubehörde der Stadt aber hat genug Geld. Bei einem Verkehrsversuch hatte man falsche Pömpel oder auch Poller installiert. Das kostet ein paar tausend Euro. Vielleicht sollte man die Bikeline abpömpeln.
Franz Sannemann tunkte seinen Backfisch in die Remoulade. Fett pur, aber Franz genoss sonst nur Hagebuttentee und Gurkenbrote. Alles gut! Franz schaute auf das hässliche Parkhaus, welches nun bald abgerissen werden sollte. Endlich kam der Schandfleck weg. Im Erdgeschoss war der beliebte Asiamarkt mit der netten Vietnamesin Khan Han Liang. Sie trug immer Gummihandschuhe beim Kassieren. Das auch schon vor Corona und ab 20 Euro Einkaufswert schenkte sie Franz immer einen Glückskeks. Daneben war ein Ausstellungsraum für Künstler und die Restetruhe. Der Stoffmarkt seit 1678. Wo wird sie hinziehen? Auf der Ecke war heute ein Dönerladen. Davor die Kneipe „zum Stiefelknecht“ und ganz früher eine Stätte der NSDAP. Leider gab es auf dem Kesselbrink keine Gedenkstelle für die 420 jüdischen Kinder, Frauen und Männer die am 13. Dezember 1941 von dort in Richtung Bahnhof zu Deportation nach Riga versammelt wurden (Vor dem Bahnhof steht nun eine Tafel mit den Namen der Menschen).
So wird der Kesselbrink auch bald anschauen. Franz Sannemann kaufte für seine Enkelin das neue Bielefeld Wimmelbuch. Dort gab es eine Seite mit dem Kesse. Es wurde neu veröffentlicht. Leider war das Buch bei seiner Erscheinung schon wieder Geschichte, konnte man da noch das hässliche Parkhaus sehen. Was nun dort hinkommt? Er spülte den Fisch mit einem Tiger Bier runter. Der Tag war perfekt.
