Traumstadt Bielefeld

Booming Town Teil 1 – Bielefeld

Als ich vor 30 Jahren die Wahl hatte nach Oer-Erkenschwick oder Bielefeld zu ziehen, wusste ich bereits, dass das Oberzentrum eines Tages zu den beliebtesten Flecken Deutschlands zählt. Das darf auch die 83jährige Schwiegermutter erleben, die wir 2021 aus dem BayerLeverkusenLand zur Freien Scholle holten, nachdem die Wupper große Teile der Blütenstadt Leichlingen zerstörte. Meine Mutter und mein Sohn leben im Süden Deutschlands und zerschmelzen in den Straßenschluchten der Metropolen. Früher sagte man immer: In Bielefeld regnet es immer! Da will keiner hin. Fakt ist: Guckst du meinen Garten! Tonnenweise Tomaten und Basilikums, oder heißt die Mehrzahl Basilikas?

Und nun kommt noch der neue Weser-Lutter-Kanal dazu. Ein Weltwunder.

Letzte Woche wurden die 700 Meter des Baches freigelegt und Tausende zog es dort hin. Meine Protagonisten Henriette und Peter (Siehe einige Kapitel vorher) wohnten an der Straße. Was war passiert? Peter rief an. Für mehrere hunderttausende Euro wurden Steine und Pflanzen in das Bachbecken gesetzt, damit der Bach ein natürliches Aussehen hat, denn fette Marmorplatten, oder auch die sogenannten Ummelner Sandsteine fassten den Bach ein und es sah eher so aus, wie bei den neuen grauen Einfamilienhäusern.

Mit lokalen Kulturgrößen und einem Wort des Oberbürgermeisters wurde das Bachstück freigegeben. Aber ob der Hitze an diesem Tag, wagten sich Tausende mit nackten Füßen in die Fluten. Dadurch wurden die Schilfpflanzen und der seltene Sonnentau zerstört. Was noch viel schlimmer war, war die Tatsache, dass das Wasser durch Käsefuß-und Sonnencremepartikeln so verdreckt war, dass die nahegelegene Gesundheitsbehörde vorbeikam. Mehrere Bielefelder, darunter auch ich, hatten Spritzer ins Gesicht bekommen und wurden dann sofort in Quarantäne genommen. Die Lutter ist auf unbestimmte Zeit wieder abgestellt. Das geht nämlich. Sie ist ja kein richtiger Fluss. Das war auch schade, für den Storch, der das Bielefelder Sommerloch füllte.

Das Storchenpaar „Meier“ ist in Bielefeld sehr gut bekannt. Es brütete erfolgreich auf der Scheune im Tierpark Olderdissen gegenüber dem Meierhof, der den beiden ihren Namen gab. Doch dieses Jahr kam es im Frühjahr zum Drama: Ein Nebenbuhler störte die traute Zweisamkeit, und dann kamen auch noch weitere Storchenmännchen hinzu. Eines von ihnen griff „Herrn Meier“ so heftig an, dass er erheblich verletzt wurde und nicht mehr fliegen konnte. Tierpfleger Harald brachte ihn zum Tierarzt Dr. Wandersvogel, der ihn fachgerecht versorgte und schmerz- sowie entzündungshemmende Mittel verschrieb. Am besten wären für den Storch leckere Lutter-Forellen, die aber durch die Käsefußattake vertrieben wurden. Jetzt sitzt Meier bei mir auf dem Balkon, Tierpfleger Harald, Nachbar und Bewunderer des Schreiberlings, fand keine andere Herberge für ihn.

Mittlerweile hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die im Winter die Lutter weihnachtlich dekorieren möchte. Schauen Sie auf das Foto. So könnte es in Bielefeld bald aussehen.

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