Karfreitag

Karfreitag

„Hast du die Münze?“ frage Sergio Eddy, der nun in Palermo angekommen war. Eddy war heilfroh, endlich diese vermaledeite Münze abzugeben. Er schraubte sie aus der Klingel und im Monetrarium befestigten die Brüder die Münze an das Kreuz für die Prozession. Paloma war auch da. Mit rotem Lippenstift. „Man, du stinkst, Mann“, brüllte Paloma über den Platz. Kein Wunder. Würziger Männerschweiß und der Duft des Ricottas, der nun zu einem Berg- und Talkäse getrocknet war, umhüllte Eddy meilenweit. Für Eddy war es gut, eine Pause zu machen. In Bielefeld ist der Karfreitag immer so ein trüber Tag. In den Gottesdiensten damals saßen am Tisch des Herrn immer Brüder in schwarzen Anzügen. Warum muss das so traurig sein, man kennt doch die Geschichte und weiß, dass alles gut wird. RTL zeigte die Passion Christi im Fernsehen mit Reiner Callmund an der Frittenbude. Das ist doch mal innovativ. Wer weiß, nächstes wird die Passion Christi dann von den Malediven gestreamt. In Holland funktioniert dieses Format schon seit zehn Jahren. Es ist grau draußen und selbst die Frittenbude meines Vertrauens hat zu. Meine Gattin ist auf dem Weg zu Ihrer Yogawoche und ich überarbeite meine Gedanken und meinen Kontostand, weil ich bald Sergio auszahlen muss.

Da klingelte es an der Tür. L.Credi brachte mir eine Gaskartusche. 11 KG Propangas… Wenn der Russe kommt… so sagte man früher…. Ich kann nun auch im Garten kochen und werde am Ostersamstag meine Nachbarin Bettina Brachtendock mit dem Gasgerät beim Reisbällchenbacken unterstützen. Alles wird gut. Die Götter von der Alm werden den bayuwarischen Spranzen die Lederhosen ausziehen, ich mache das Geschäft meines Jahres und kann die Geschichte um Siegesmund, Paloma und Sergio endlich vergessen.

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