Palermo

Jetzt wird es langsam eng. Es sind noch sechs Tage bis zum großen Reisbällchen-Verkauf auf der Alm. Die Alm ist keine Hütte mit Almdudler und Jagertee, sondern die Heimat der ostwestfälischen Götter, beziehungsweise der blauen Schlümpfe, die ängstlich und dumm gegen den Gargamel aus Wolfsburg verloren.

Freitag war Feiertag. Man gedachte dem Sterben Jesu. Und genau das war das Problem. Siggi Hasenkötter rief wieder an. Nun nannte er die Forderung von Sergio Feta und Paloma. Karfreitag wird eine große Prozession durch Palermo ziehen. I

In diesem Jahr sollte das Holzkreuz mit den Münzen bestückt werden, die ich als 10Jähriger Bub aus einem Museum klaute. Es waren ja Münzen aus der Kaiserzeit. Die Legende dichtete sie dem Besitz von Pontius Pilatus zu, was aber nicht stimmte. Die frommen Menschen in der Stadt glaubten an die magischen Energien, die beim Reiben über die Reliquien entstanden. Und 2022 war ein magisches Jahr im Kirchenkalender der Diözese Palermos. 

Ich hatte ja meine Münzen bekanntlich gegen Reval-Zigaretten, Raider-Snacks und einen Kuss der süßen Nachbarin eingetauscht. Eine Münze hatte ich noch über. 

Nun kam der Deal. 

Sergio und Paloma wollten von mir 100.000 Euro und die eine, ja genau, die eine Goldmünze in fünf Tagen in Palermo haben. Mit 10.000 Euro würde er die spirituelle Vereinigung, die dieses Jahr die hölzerne Christusstatue durch die Straßen trug, bestechen können. 

hier wird Eddy sich nach der Reise erholen

Für 5000 Euro würde er Paloma eine Werbeminute bei Judith-Williams-Shoppingkanal kaufen, damit sie ihre Lippenstifte nicht mehr in dubiosen Spelunken anbieten musste. Sergio würde das Grab seines Onkels, dem Museumswärter von damals, aufpimpen und dann Paloma in den Wind schießen. Er mochte sie nicht und eigentlich fand er sie pottenhässlich. Aber im Moment genoss er ihre Kontakte in das Oberzentrum Bielefeld. Sergio plante Paloma nach dem Deal in Beton eingegossen in der Adria zu versenken, wobei das eigentlich Geldverschwendung war, denn Paloma wog immer noch zu viel. Da reichte ein Kieselstein, damit sie in Poseidons Reich aufgehen kann. Ich hatte wenige Tage Zeit und kontaktierte Eddy. Eddy musste nicht auf seinem Peloton strampeln. Die Sonne schien, die Solaranlage lieferte und Ostern war für das Tanzbodenensemble spielfrei. Wer schaut sich auch am Karfreitag im Theater „das Leben des Brian“ an. Eddy hatte also Langeweile. 

Ich machte ihm einen tollen Vorschlag. Eddy kann trainieren und die Welt retten. 

Er setzt sich also auf sein Biobike und radelt nach Palermo und bringt Sergio die Münze.

Er müsse sofort losfahren, sein „Reisbällchen-Trikot“ tragen und müsste sich beeilen. Zur Stärkung packte ich ihm zwei Kilo Ricotta-Käse in die Trikottaschen. Wenn dieser dann bis Bergamo ausgetrocknet und vom Männerschweiß aromatisiert ist, entsteht ein wunderbarer Berg- und Talkäse. Das sollte Eddy reichen. Auf dem Rückweg wollte er sich eine verfallene Ruine anschauen, die sein Urgroßvater im großen apulinischem Krieg dem Ziegenhirten Andrea Angelo, dem Vierten, für ein Autogramm von Kaiserin Sissi abkaufte.

Das war geregelt. Aber wie kriege ich das Geld zusammen. Das Spiel auf der Alm war erst am Sonntag. Ostersonntag. Es half nichts. Ich brauchte sie alle. Die Schwiegermutter, L.Credi, LEGO, Ariadne und Herrn Schnepel. Ich wählte auf der Drehscheibe meines Telefons die ersten Nummern. Da Schoss mir folgende Frage durch den Kopf. Wo waren eigentlich die Münzen von Siegesmund Hasenkötter geblieben? Wir hatten uns die Schätze brüderlich geteilt.

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